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  • Reinhard Mumper

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen?

An Beiträgen oder Informationsquellen mangelt es diesbezüglich wahrlich nicht. Aber es drängt mich aus zweierlei Gründen, einen Kommentar zu schreiben: Zum einen bestätigen meine Praxiserfahrungen die Erkenntnisse einer amerikanischen Studie, wonach das Mittel der Kastration nicht geeignet sei, um einen verhaltensauffälligen Hund zu „beruhigen“. Womit sich die Kastration als Mittel der Erziehung disqualifiziert hat.

In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass etwa die Hälfte aller Hunde, zu deren „Problembeseitigung“ ich gerufen werde, zuvor bereits kastriert wurden. Und zwar aus den gleichen Gründen, warum man mich um Hilfe gebeten hat: Zerren an der Leine, Jagen, Aggressionen aller Art bis hin zu Beißattacken usw. Ich halte die Kastration als Mittel der Erziehung für ungeeignet.

Und zum anderen werde ich sehr häufig von HundehalterInnen direkt darauf angesprochen, ob ich ihnen zum Zwecke der Beseitigung des unerwünschten Verhaltens ihrer Vierbeiner zu einer Kastration raten würde. Die Frage stellt man mir wohlbemerkt, bevor wir die Hunde von ihrem Konflikt befreit haben.

Die KundInnen, die mir diese Frage stellen, erwarten in der Regel eine einfache und schnelle Antwort, die es aber nicht gibt.

Eine leichtfertige Entscheidung zugunsten der Kastration lehne ich grundsätzlich ab. Ich spreche hier ausdrücklich nicht von der Sterilisation, sondern ausschließlich von der Kastration, also der Entnahme von Organen. Und ich spreche auch nicht von der Situation einer medizinisch klinischen Indikation, die einen Eingriff quasi alternativlos macht.

Zunächst verweise ich auf das Tierschutzgesetz § 7, mit dem der Gesetzgeber sehr hohe Hürden errichtete und es im Grunde genommen verbietet. Damit ist unzweifelhaft geklärt, dass eine Kastration zum Zwecke der Erziehung des Hundes, abgesehen von seiner Ungeeignetheit, auch unzulässig ist.

Ich rate aber, unabhängig von der Rechtslage, jedem, der mit dem Gedanken spielt, seinem Rüden die Männlichkeit oder auch der Hündin den Sexualtrieb zu nehmen, sich zuvor Rat bei Fachleuten zu holen. Aber Vorsicht, wenn der Ratgebende identisch ist mit dem, der mit der Ausführung der Kastration seinen Gewinn maximiert. Dann sollte selbst der naivste Zeitgenosse sich fragen: Wem nützt´s?

Stattdessen gibt es eine Reihe von sehr aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien und Untersuchungen. Beispielsweise eine solche von Hart & Eckstein aus dem Jahre 1997. Eine der zentralen Erkenntnisse ist, dass bei Rüden, denen man die Männlichkeit genommen hat zwecks Eindämmung ihres aggressiven Verhaltens oder genereller Beruhigung, keine Besserung nachweisbar war. Will heißen, die juristische Unzulässigkeit wird zusätzlich gestützt durch die biologische Sinnlosigkeit. Den einzigen Effekt bezüglich des hündischen Verhaltens, den man mit einer Kastration erzielt, ist sein sexuell bedingtes Verhalten während der Läufigkeit einer Hündin einzudämmen, weil ihm das Hormon Testosteron quasi abhanden gekommen ist.

Mit anderen Worten, man würde ihm vielleicht und eventuell das sexuell bedingte temporäre Zerren an der Leine, wenn in der Nähe eine läufige Hündin herumkokettiert, wegoperieren. Aber da sollte sich jeder des Ratschlags des österreichischen Verhaltensbiologen, Prof. Kurt Kotrschal, besinnen. „Wer mit der Sexualität seines Hundes nicht klar kommt, der sollte sich keinen halten!“

Eine äußerst hilfreiche Lektüre zu diesem Thema ist das Buch mit dem Titel "Kastration und Verhalten beim Hund " von Sophie Strodtbeck und Udo Gansloßer.

Eine Erkenntnis der Wissenschaft kann ich aus meiner Praxis auf alle Fälle belegen: Nämlich das offensichtliche Zusammenspiel der beiden Hormone Testosteron und Cortisol. Beide sind quasi Gegenspieler und halten sich gegenseitig in Schach. Will heißen, damit des einen Wirkung nicht übertreibt, dämpft der andere das Ganze. Wozu führt nun der Verlust von Testosteron und seiner Wirkung?

Beispiele dazu und die Beantwortung zur Frage was denn nun die Lösung sei, lest bitte in meinem nächsten Blogbeitrag!




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Hundehaltercoach Reinhard Mumper

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