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  • Reinhard Mumper

Ist ignorieren eine Lösung?

Heute möchte ich darauf eingehen, ob du unerwünschtes Verhalten einfach ignorieren kannst. Mit dem Ignorieren ist das nämlich so eine Sache…

Das KANN sehr sinnvoll und effektiv sein, KANN aber auch ganz schön „in die Hose“ gehen…

WARUM? Naja, schauen wir uns doch mal folgendes Beispiel an:

AUFMERKSAMKEITSHEISCHENDES VERHALTEN

…also Verhalten, das dein Hund zeigt, um DEINE Aufmerksamkeit zu bekommen. 

Das fängt beim Kopf auflegen oder Anstupsen an, geht über Spielaufforderungen jeglicher Art bis hin zum Dauerbellen oder Zerstören von Gegenständen.

Reicht es hier aus, deinen Hund zu ignorieren?

Man sollte meinen, hier gibt es ein eindeutiges JA als Antwort, oder? ;) Dein Hund lernt durch Ignorieren schließlich, dass sein Verhalten nicht mehr das gewünschte Ergebnis (also deine Aufmerksamkeit) bringt – und lässt es!

In vielen Fällen stimmt das auch… also überwiegend JA! :)

ALLERDINGS…

Nur dann, wenn es WIRKLICH keinen Erfolg mehr bringt. Also…Nur dann, wenn es dir gelingt, deinen Hund WIRKLICH zu ignorieren. Und das ist gar nicht so einfach! Weder ansprechen, anfassen, noch anschauen – und manchmal reicht schon ein genervtes Schnaufen aus, dass sich dein Hund „bestätigt“ fühlt.

Nur dann, wenn dir das wirklich KONSEQUENT gelingt.

Denn bevor ein Verhalten nicht mehr gezeigt wird, zeigt es sich meist nochmal verstärkt, ist also umso schwerer zu ignorieren.

Zudem kommt hier das Gesetz der variablen Verstärkung ins Spiel:

Gelingt es deinem Hund nicht immer, aber zumindest ab und an mit dem entsprechenden Verhalten deine Aufmerksamkeit zu bekommen, festigt sich das Verhalten noch mehr als wenn es JEDES Mal zum Erfolg führen würde!

Nur dann, wenn sich das entsprechende Verhalten überhaupt ignorieren LÄSST. Denn es gibt so einige Verhaltensweisen, die wir nicht einfach ignorieren können (z.B. das Zerstören teurer Gegenstände)

Und manchmal ist gerade so ein Verhalten das Ergebnis vom Ignorieren. Führt das alte Verhalten nämlich nicht mehr zum Erfolg (bringt also keine Aufmerksamkeit mehr), sind viele Hunde sehr kreativ wenn es darum geht etwas zu finden, das DEFINITIV für deine Aufmerksamkeit sorgt.

Und: Nur dann, wenn das Verhalten an sich nicht SELBSTBELOHNEND ist. Hat dein Hund inzwischen allein durch das Ausführen des Verhaltens so ein gutes Gefühl, dass deine Aufmerksamkeit als Bestätigung gar nicht mehr nötig ist, wird er es auch nicht lassen nur weil du ihn ignorierst. (Und das trifft leider auf mehr Verhaltensweisen zu, als man denkt...)

Genau das gilt übrigens nicht nur für aufmerksamkeitsheischendes Verhalten. Es gibt viele Verhaltensweisen, bei denen wir mit Ignorieren aus genau diesem Grund nicht weiter kommen.

Zum Beispiel beim Jagen.

Hier dürfte doch jedem klar sein, dass Ignorieren uns bei diesem Problem nicht weiter bringt, oder? Geht dein Hund jagen, so bekommt er dabei einen gigantischen Hormoncocktail und JEDES Jagen führt damit zum „Erfolg“… – Ignorieren wird deinen Hund leider nicht vom Jagen abhalten.

Zudem lassen sich bestimmte Verhaltensweisen auch deswegen nicht ignorieren, weil wir sie NICHT EINFACH IGNORIEREN KÖNNEN!

Wenn das Verhalten zum Beispiel deinem Hund, dir oder Anderen schadet oder jemanden in Gefahr bringt. Außerdem gibt es Fälle, in denen Ignorieren keine Besserung bringt, das Verhalten aber verändert werden muss. 

Und es gibt noch einen weiteren Punkt, der gegen das Ignorieren von unerwünschtem Verhalten spricht:

Ignorieren = Akzeptieren

Natürlich! Wenn ich IGNORIERE, dass mein Hund etwas macht, womit ich nicht einverstanden bin, dann vermittle ich ihm doch genau damit, dass ich mit diesem Verhalten EBEN DOCH einverstanden bin.

Beispiel?

Wenn ich auf ein kleines 2-jähriges Kind aufpasse und es mit seinen Buntstiften plötzlich die Tapete anmalt statt das Blatt Papier… was passiert wohl, wenn ich DAS ignoriere?

RICHTIG! Es wird damit wohl eher nicht aufhören und weiß auch beim nächsten Besuch nicht, dass das nicht ok ist. Logisch, oder?

Das scheint also alles gar nicht so einfach, oder? „Vielleicht ist IGNORIEREN dann doch nicht so hilfreich bei der Hundeerziehung?“

Doch, doch, DOCH! ;)

Es ist zwar nicht IMMER das Mittel der Wahl (das dürfte spätestens nach den genannten Beispielen klar sein), aber in vielen Fällen kann man damit bereits immens viel erreichen!

Deswegen zeige ich dir in meinem nächsten Blog in welchen Situationen du die Strategie "Ignorieren" erfolgreich nutzen kannst...



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Hundehaltercoach Reinhard Mumper

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