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  • Reinhard Mumper

Ignorieren Teil 2


Nachdem wir uns letztes Mal damit befasst haben, wann und warum Ignorieren in vielen Fällen leider nicht ausreicht, verrate ich euch heute, wann und wie ihr damit enorme Erfolge erzielen könnt.

Denn wenn man in den richtigen Situationen RICHTIG ignoriert, kann dein Hund dabei eine Menge lernen…Vor allem dann,wenn deinem Hund gerade JEDE Aufmerksamkeit für ein Verhalten lieber ist als gar keine.

 Ja, du hast richtig gehört. Manchmal ist deinem Hund deine „NEGATIVE“ Aufmerksamkeit immer noch lieber, als dass du ihn gar nicht beachtest. Genau dann, bewirkt gekonntes Ignorieren wahre Wunder! ;)

Vor allem dann, wenn du eben auch das wertvolle Gegenstück dazu mit ins Spiel nimmst: 

Die gezielte Aufmerksamkeit:

DEINE AUFMERKSAMKEIT IST FÜR DEINEN HUND ETWAS GANZ WERTVOLLES, DAS DU WIRKLICH GEZIELT EINSETZEN KANNST UND SOLLTEST! 

WENN du also unerwünschtes Verhalten ignorierst, dann sollte dein Hund aber auch für erwünschtes Verhalten deine Aufmerksamkeit bekommen. Und dann bekommt das Ganze Sinn.

Ein Beispiel?

Der Schäfer Rudi findet Warten totaaal blöd. Das zeigt er leider auch jedes Mal lautstark wenn Frauchen jemanden beim Spaziergang trifft und kurz stehen bleibt. Anfangs hat er nur ab und an gebellt, inzwischen bellt er beinahe die ganze Zeit und hört damit erst wieder auf, wenn Frauchen weiter läuft. Frauchen hat ihrer Meinung nach schon alles versucht: Gut zureden, ignorieren, schimpfen… aber NICHTS hat geholfen

Warum?

1. Dass gut zureden hier nicht hilft, weißt du. Mit ihrem „Zureden“ hat sie Rudi leider für das Bellen belohnt, was das Problem natürlich verschlimmerte… 

2. Sie hat ihn leider nicht immer konsequent ignoriert. Das fiel ihr selbst gar nicht auf, aber wenn er bellte, schaute sie ihn oft ganz kurz an. Ein paar Mal gab sie ihm sogar ein Leckerli, weil sie hoffte, er wäre danach zufrieden und still. Als sie dann den Rat bekam, auf das Bellen GAR NICHT MEHR zu reagieren, konnte Rudi nicht glauben, dass er mit seinem Bellen keinen Erfolg mehr hat und versuchte es wieder und wieder.

Du erinnerst dich: In vielen Fällen zeigt sich ein Verhalten nochmal verstärkt, quasi wie ein Versuch ob es WIRKLICH nicht funktioniert, bevor es dann nicht mehr gezeigt wird.

Das war Frauchen einfach so peinlich, dass sie mit ihm weiter lief. Was hat er gelernt? „Ach so… Wenn Frauchen beim ersten Bellen nicht reagiert, muss ich eben einfach öfter und länger bellen – das hilft!“

3. Schließlich versuchte sie es mit Schimpfen. Aber das fand Balu gar nicht sooo schlimm. Außerdem unterbrach sie dafür wenigstens das Gespräch und widmete sich voll und ganz ihm.

Und 4. gab es ein weiteres Problem: Frauchen hat ihm leider nicht beigebracht, dass sich ruhiges Warten für ihn lohnt.

LÖSUNG:

Ignorieren und gezielte Aufmerksamkeit & Belohnung.  Rudi lernt nun:

Bellen bringt ihn kein Stück weiter, keinerlei Aufmerksamkeit oder Erfolg. Aber wann immer er ruhig ist, sich hinsetzt oder hinlegt, schaut ihn sein Frauchen lächelnd an, lobt ihn immer wieder (anfangs in sehr kurzen Abständen, später dann immer seltener) und immer wieder gibt es sogar ein Leckerli solange er ruhig wartet.

Innerhalb weniger Tage kann sich sein Frauchen wieder entspannt mit anderen unterhalten (wenn sie daran denkt, ihn zwischendurch immer mal wieder zu belohnen – natürlich BEVOR er unruhig wird und daran denkt zu bellen). Und nach einigen Wochen ist selbst die Belohnung kaum noch nötig, da er das Warten nun gelernt hat…

Übrigens:

Ignorieren empfiehlt sich natürlich auch dann, wenn es KEINE NEGATIVEN FOLGEN hat wenn dein Hund Fehler macht. 

Beim Clickertraining beispielsweise wird das „falsche“ Verhalten meist einfach ignoriert, während das „richtige“ Verhalten bestätigt wird.

Auch IM AUFBAU eines neuen Verhaltens kann man genau diesen Weg befolgen und wird damit meist große Erfolge verzeichnen.

(Also z.B. wenn dein Hund noch keine Ahnung hat, was ein "Platz" überhaupt ist und du ihm das nun beibringst.) 

Es gilt also nur zu unterscheiden, in welchen Situationen Ignorieren sinnvoll ist und in welchen es euch leider nicht weiter bringt…

Wenn Du dabei Hilfe brauchst, wende Dich einfach vertrauensvoll an uns. 

Bis bald und viel Spass beim umsetzen


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Hundehaltercoach Reinhard Mumper

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