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  • Reinhard Mumper

Grundlagen einer vertrauensvollen Beziehung zum Hund

 Wie bekommst du eine vertrauensvolle Beziehung zu deinem Hund? Die schlechte Nachricht: Es gibt kein Handbuch! Die gute Nachricht: Es gibt kein Handbuch! Jeder Hund ist anders, jeder hat eine andere Persönlichkeit, einen anderen Charakter, einen anderen Entwicklungsstand und einen anderen Erfahrungsschatz. All diese Faktoren beeinflussen den Weg zu einer harmonischen und vertrauensvollen Beziehung zu Deinem Hund. Und so wird klar, dass keine Methode und keine Lerntheorie allgemein gültig funktioniert auf dem Weg zu einer vertrauensvollen Beziehung. Und das ist bei uns Menschen nicht anders. Da ist es nur noch viel komplexer. Der Unterschied ist, dass du ein Mensch bist und du dir bewusst bist, dass es keine Methode gibt, du aber aufgrund deiner Erfahrung und deiner Intuition das richtige Gefühl für deinen Gegenüber hast. Und genau das kannst du auch dem Hund gegenüber an den Tag legen, nur eben auf seiner archaischen Ebene und nicht auf der menschlichen kulturellen Ebene. Es gibt ein paar Eckpunkte, die dir helfen, dass dein Hund dich versteht und auch du deinen Hund verstehst, denn ohne gegenseitiges Verständnis kann es keine Beziehung und kein Vertrauen geben. Einer davon ist


Klarheit 


Klarheit ist ein Begriff, der in den Bereich der Kommunikation fällt. Wenn Menschen beginnen mit mir zu arbeiten, ist eine meiner ersten Fragen: „Wie sieht ein „Sitz“ deines Hundes aus?“ In den meisten Fällen bekomme ich Blicke voller Unverständnis. Ich sage dann: „Beschreibe mir das „Sitz“ deines Hundes, beschreibe mir, was er tun soll, wenn du ihm sagst: Sitz! Stell dir vor, ich wäre am Telefon und könnte das nicht sehen.“ Und in diesem Moment wird plötzlich allen beteiligten Menschen klar, dass sie noch nie darüber nachgedacht haben, was ihr Hund bei dem Kommando Sitz konkret tun soll. Sie waren sich selber gar nicht bewusst, dass sie gar keine genaue Definition des Kommandos Sitz hatten. Und wenn die Menschen schon nicht genau wissen, was der Hund bei dem Kommando Sitz zu tun hat, wie soll es dann der Hund wissen? Wie soll der Hund es dann korrekt befolgen? Eine klare und genaue Definition des Kommandos Sitz würde zum Beispiel wie folgt aussehen: Wenn ich meinem Hund das Kommando Sitz gebe, dann soll er sein Hinterteil auf den Boden setzen, die Vorderpfoten durchdrücken, dort, wo er gerade ist, dann, wenn ich es ihm sage und solange, bis ich das Kommando Sitz aufhebe oder ihm ein anderes Kommando gebe.

Und wenn dein Hund von dieser Definition des Kommandos abweicht, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es war bislang in eurer Beziehung relativ egal, ob er deinen Anweisungen folgte oder nicht, oder du hast ihm nie beigebracht und klar erklärt, was genau er alles beim Kommando Sitz zu tun hat. Und wenn du ihm das nie beigebracht hast, dann kann er das auch nicht ausführen.

Woher soll er wissen, was du von ihm bei dem Kommando erwartest, wenn du es ihm noch nie richtig erklärt hast? Und das Gleiche gilt auch für alle anderen Kommandos, die du für deinen Hund hast. Gibt es in den Definitionen der einzelnen Kommandos Unklarheiten, d.h., entweder du oder ihr beide wisst nicht so ganz genau, was zu tun ist, dann kannst du auch nicht von deinem Hund erwarten, dass er das Kommando korrekt ausführt. Und hier steckt auch der Teufel im Detail.

So wird zum Beispiel oft in Zusammenhang mit dem Kommando Sitz das Kommando Bleib verwendet, weil der Hund dort an der Stelle sitzen bleiben soll. Nach der obigen Definition wird dieses Kommando jedoch nicht benötigt, denn er soll ja so lange sitzen bleiben, an der Stelle, an der er ist, bis du ihm ein anderes Kommando gibst oder das Kommando Sitz aufhebst. So ist das Kommando "Bleib" ein sehr überflüssiges Kommando.

Ähnlich tückische Definitionen oder Überschneidungen ergeben sich unter anderem bei dem Kommando Aus. Mit diesem Kommando wird oft ein Zerrspiel beendet und der Hund soll zum Beispiel das Knotentau aus seinem Maul hergeben. Dann wird es wiederum verwendet, wenn der Hund andere Menschen anspringt, um ihm zu verdeutlichen, dass er sie nicht anspringen darf. Dann wiederum, wenn er an etwas auf dem Boden liegenden schnüffelt.

Für den Hund ein völliges Wirrwarr. Einerseits soll er auf dieses Kommando hin etwas hergeben, was er unter Umständen nur wenige Sekunden oder Minuten später schon wieder haben darf wie das Knotentau, andererseits soll er bei diesem Kommando etwas niemals tun, wie eben in diesem Beispiel das Anspringen von Menschen. Dann soll er manchmal nur dieses eine Mal etwas nicht tun, wie in dem Beispiel das Schnüffeln, was er ansonsten ja darf.


Wie soll dein Hund das verstehen. Je klarer die Definitionen deiner Kommandos für deinen Hund, umso genauer und zuverlässiger kann er sie ausführen. Dabei spielt es dann keine Rolle, um was für ein Kommando es sich handelt, solange es für den Hund klar und nachvollziehbar definiert und erklärt ist.

Immer wieder zu beobachten ist das Umschwenken in den Kommandos wenn der Hund etwas nicht tut, was er bei dem Kommando eigentlich tun soll. Da wird der Hund erst mit "Hier" gerufen, gerne auch noch ein zweites Mal, nachdem er seinen Menschen dann nicht beachtet, wird von dem Kommando „Hier“ auf das Kommando „Hier her“ umgeschwenkt, dann auf das Kommando „Komm“, dann auf „Komm hierher“ und so weiter. Das sind für den Hund alles verschiedene Kommandos. Für ihn bist du damit nicht klar, denn er weiß bei keinem dieser Kommandos konkret, was er tun soll. Deswegen tut er gar nichts. Außerdem bemerkt er natürlich an deiner Stimme und deiner Körperhaltung, dass du die verschiedenen Wörter benutzt, weil du dich gerade hilflos fühlst, da er nicht zu dir kommt. Nur durch dieses Umschwenken von einem Kommando auf das Nächste wird dein Hund auch nicht eher kommen.

Manchmal erlebe ich Menschen, die ihren Hunden Kommandos geben, bei denen ich dann auch nicht weiß, was der Hund jetzt eigentlich tun soll, obwohl ich daneben stehe. Da fliegt dem Hund ein Schwall von Worten entgegen, dass man selbst als Mensch dem kaum noch folgen kann, ohne dass tatsächlich etwas gesagt wurde. In solchen Fällen hält es dein Hund wie wir mit Politikern, die zwar viel reden aber nichts aussagen. Wir nehmen solche Politiker nicht ernst, wir hören ihnen nicht zu, wir winken ab mit dem Gedanken: Lass den doch reden, der hat offensichtlich keine Ahnung, ich mach hier mein Ding. Und genau das macht dein Hund auch in solchen Situationen.






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Hundehaltercoach Reinhard Mumper

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